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Ausbildung im Schreinerhandwerk

“Holz-Juweliere" oder "Montageschreiner" ?

Das Schreinerhandwerk wird aus gutem Grund zu den gestaltenden Berufen gezählt. Das hat auch bewirkt, dass es in den letzten Jahren beinahe zu einem Modeberuf geworden ist. Es scheint den Neigungen vieler Jugendlicher besonders zu liegen. Geht es doch darum, mit den eigenen Händen Kreatives zu schaffen, und das mit einem sympathischen, natürlichen Material.

Doch allzu oft macht sich die Öffentlichkeit völlig falsche Vorstellungen von der Tätigkeit des Schreiners. Viele halten noch die stimmungsvolle Pumuckl-Idylle des behäbigen "Meister Eder" für Realität und werden durch Fernsehserien in dieser Auffassung bestärkt. Wie sieht es jedoch in den Werkstätten und Betrieben des Schreinerhandwerks wirklich aus?

Schreinermeister stehen wie andere Handwerksunternehmer auch im harten Wettbewerb sowohl mit der Industrie als auch mit einem expansiven Heimwerkermarkt. Und der Konkurrenzdruck wächst unter dem Vorzeichen des europäischen Binnenmarktes und der zunehmenden Internationalisierung noch weiter.  Darum haben die Schreiner längst den Leimbock mit der elektrisch beheizten Presse vertauscht, die alte riemenbetriebene Säge durch eine elektronisch gesteuerte Formatkreissäge ersetzt. Profiliert wird nicht mehr mit dem Hobel; das besorgen heute Automaten weit besser.

Es gibt wohl kaum einen anderen Handwerkszweig, der in der Lage ist, eine solche Fülle von Fertigungsaufgaben abzudecken.  Dies hat aber auch zur Folge, dass selbst bei Kleinstbetrieben ein sehr hoher Investitionsbedarf für die Werkstatteinrichtung besteht. Auf die Betriebsmittel bezogen bedeutet das, eine Ausstattung mit wenigen Standardmaschinen reicht heute nicht mehr aus.

Eine neue Maschinengeneration hält derzeit in den handwerklichen Betrieben Einzug.  Von der Kreissäge bis zur automatischen Plattenaufteilanlage, von der Tischfräse bis zum Kehlautomaten, von den verschiedenen Handmaschinen bis zum Bearbeitungszentrum, von der Verleimpresse bis zur Lamellieranlage, von der Breitbandschleifmaschine bis zu computergesteuerten Spritzständen - alles was moderne Schreinerbetriebe heute einsetzen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben, muss investiert werden. Die Elektronik im Bereich der Holzbearbeitungsmaschinen erobert ihren Platz. Die Individualität der Produkte bleibt aber erhalten.

Im Angebot der Schreiner sind neben eigenen Produkten auch industriell vorgefertigte Teile und Bauelemente. Doch gerade hier setzen oft Vorurteile einer unzureichend informierten Öffentlichkeit ein.  Dabei wird eine Pseudo-Alternative entwickelt zwischen den sogenannten "Holz-Juwelieren", die selbst entwerfen, konstruieren und den individuellen, hochwertigen Innenausbau oder das "einmalige Möbel" fertigen und den "Montageschreinern", die sich nahezu ausschließlich aus dem breiten Angebot der Bauteile wie Fenster, Türen, Decken- und Wandverkleidungen oder Treppen und Trennwandelementen bedienen. Diese simple Klassifizierung hält der Überprüfung an der Realität so nicht stand und ist sachlich auch nicht gerechtfertigt.  Ein aufgeschlossener, wirtschaftlich denkender Handwerksrneister gehört schon seiner Vorbildung wegen zu den "Holz-Juwelieren".

Selbstverständlich wird er sich jedoch, was nur vernünftig ist, auch die guten Möglichkeiten zunutze machen, die ihm die Lieferanten von Bauelementen und Zubehör bieten.  Industriell vorgefertigte Bauteile, Halbfabrikate, Fertigelemente sowie Zubehörteile und Beschläge: Die Auswahl ist reich und die Anwendungsvielfalt nahezu unbegrenzt. Die Kundennachfrage bestimmt letztendlich, was wo Verwendung findet. 

Viele Schreinerbetriebe haben sich spezialisiert, etwa auf die Einrichtung von Läden, den Bau von Kindermöbeln oder das Restaurieren von historischen Fenstern. Diese Spezialisierung garantiert dem Verbraucher noch mehr Fachwissen und damit noch bessere Beratung und Ausführung.

Der Unterschied zwischen Schreiner und einem Händler zeigt sich in der Praxis ganz schnell, z.B. bei der Küchenmontage oder dem Einbau von Fenstern und bei der Wartung danach. Der Schreiner verfügt nicht nur über die richtigen Maschinen, sondern vor allem über ein Höchstmaß an aktuellem Sachverstand. Der moderne Schreinermeister ist Gestalter und Techniker in einer Person.

Die Schreinerlehre dauert 3 Jahre. In Bayern findet das erste Ausbildungsjahr flächendeckend als BGJ, d.h. Berufsgrundbildungsjahr, vollschulisch statt. Dies ist aber keine Schule im üblichen Sinne, sondern Unterricht in Fachtheorie, Fachrechnen und -zeichnen, sowie Fachpraxis (in der Werkstatt). Es werden Grundarbeiten an Maschinen durchgeführt und auch neue Technologien finden hier schon ihren Eingang in die Ausbildung.

Im zweiten und dritten Lehrjahr ist dann der betriebliche Alltag Ort des Lernens, ergänzt durch Berufsschulunterricht. Eine Spezialisierung schon in der Grundausbildung (wie in manch anderen Berufen) gibt es beim Schreiner nicht. Eine die Berufsbreite umfassende Lehre in einem Innungsbetrieb ist für Jungen und Mädchen mit dem Traumberuf "Schreiner" die beste Basis.

Auf die praktische und theoretische Grundausbildung zum Gesellen und die Berufspraxis danach lässt sich weiter aufbauen. Zur beruflichen Weiterbildung stehen dem Gesellen oder der Gesellin u.a. Fach-, Fachober- und insbesondere die Meisterschulen offen



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